Einnahmen- und Ausgabenrechnung
für die Zeit vom 01.Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2016

Jahresbericht 2016

Der Schwerpunkt der Stiftungsarbeit hat sich 2016 auf die Betreuung von Flüchtlingskindern verlagert. Es gibt inzwischen Kooperations­vereinbarungen mit 18 Schulen speziell in diesem Bereich. Grundlage ist das Programm „Schüler helfen Schülern“ (ShS)*, das aber bei Flüchtlings­kindern nicht vorrangig auf klassische Nachhilfe abzielt, sondern auf Betreuung zum Zweck der Kontakt­herstellung im Sinne von Integrations­bemühungen. *Selbstverständlich sind mit Schülern beide Geschlechter gemeint, wie auch bei allen Begriffen in dem gesamten Bericht, die eigentlich eine doppelte Bezeichnung bräuchten.

An einigen Schulen überschneiden sich Maßnahmen für Willkommensschüler mit dem ursprünglichen Gedanken von „ShS“ im Sinn unterrrichtsbezogener Nachhilfe.

Maßnahmen der Schulen und freien Träger sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von schulischer Betreuung über Besuche kultureller Einrichtungen bis zu gemeinsamen Freizeit­angeboten. So kochen an der Solling-Sekundarschule Willkommens­schüler und Stammschüler gemeinsam; am Ruth-Cohn-Ober­stufen­zentrum haben Schüler ein Weltcafe eingerichtet. Das Stadtteilzentrum Steglitz entwickelt unter fachkundiger Leitung ein Musical mit Flüchtlings­kindern, Behinderten und Schülern eines Problem-Stadtteils. Beim letztgenannten Projekt trägt die Stiftung ein Drittel der veranschlagten Kosten.

Ebenso unterschiedlich wie die Maßnahmen sind Anerkennung und Belohnung der Betreuer. An Grundschulen genügt meist die Finanzierung von gemeinsamen Aktivitäten, manchmal gibt es zusätzlich Sachpreise, an Oberschulen z.T. auch ein zusätzliches Taschengeld. Das Albrecht-Dürer-Gymnasium belohnt Betreuer durch eine Jugend­gruppen­leiter-Ausbildung, die gemeinsam von der Stiftung, dem Förderverein der Schule und einem sozial gestaffelten Eigenbeitrag der Eltern finanziert wird.

Zu Gunsten der Betreuung von Flüchtlings­kindern ist das klassische Nachhilfe­projekt auf der Grundlage von ShS (unterrichtsbezogene Nachhilfe durch andere Schüler) etwas in den Hintergrund getreten. An einigen Schulen zeigte sich, dass Hilfestellung sehr zögerlich angenommen wird, wenn die Motivation für bessere Leistungen nicht vorhanden ist oder Schüler nicht bereit sind, ihre Freizeit einzuschränken. An anderen Einrichtungen wird die Betreuung gut angenommen, insbesondere dann, wenn sie sich an eine bestimmte Zielgruppe richtet. Das ist z.B. der Fall bei Elisi Evi e.V. (Hilfe für Mädchen aus traditionell orientierten moslemischen Familien in Kreuzberg) und dem Medienhof Wedding e.V. (klassische Nachhilfe für Migranten­kinder, vornehmlich mit türkischem Hintergrund) – beide in finanzieller Kooperation mit der Stiftung.

Die Förderung von jungen Instrumentalisten aus schwierigen sozialen Verhältnissen besteht weiterhin, ist aber etwas zurückgegangen, da einige Schüler durch Schulentlassung und Studienaufnahme - z.T. Musikstudium - ausgeschieden sind und keine neuen Förderfälle aufgenommen wurden. Die Förderung von sozial benachteiligten Schülern bei den Bläserklassen der Gustav-Heinemann-Sekundarschule und der Clay-Sekundarschule besteht unverändert. Hinzu kommt 2017 die Barnim-OG in Hellersdorf. Im Februar 2016 gab die Stiftung ein gut besuchtes Konzert mit den besonders herausragenden Instrumen­talisten aus dem geförderten Schülerkreis. Das nächste Konzert wird am 24.6.2017 im Gutspark Lichterfelde, Hindenburgdamm 28, im Rahmen eines Kunstmarkts stattfinden.

Das Projekt „Papa/Mama, komm spiel mit mir“ für minderjährige Eltern läuft weiterhin in Kooperation mit ‚Kids und Co e.V.‘ in Hellersdorf, es zeigt sich jedoch, dass es ausgesprochen schwierig ist, die Zielgruppe zur Mitarbeit zu motivieren. Die Stiftung ist weiter um Projekte dieser Art bemüht.

Vereinzelt ist die Stiftung bereits über die Grenzen Berlins hinaus tätig, so durch Bereitstellung eines kleinen Instrumentariums für ehrenamtliches Musizieren mit Flüchtlings­kindern in Fürstenberg/Havel, durch Unterstützung von Gitarren­unterricht in Rheinbach (Nordrhein-Westfalen) und Unterstützung eines sozialen Jahrs einer jungen Frau nach ihrem Abitur (Cello- und Bratschen­unterricht in einem Armenviertel in Cimbote/Peru). Weitere Anfragen hat die Stiftung nicht bearbeiten können, weil die personellen Ressourcen für eine sachgerechte Prüfung fehlen.

Die finanzielle Situation der Stiftung ist sehr gut. Sowohl Stiftungsvermögen als auch Erträge und bereitgestellte Mittel für die Projekte haben erheblich zugenommen. Das Fördervolumen ist 2016 auf über 34.000 EUR angewachsen – allein aus selbsterwirtschafteten Kapitalerträgen und privaten Spenden. Darin sind 2.020,15 EUR enthalten, die durch Rücküberweisungen von Kooperationspartnern aus 2015
nicht benötigten Zuschüssen der Stiftung finanziert wurden.

Anders ist es bei der Personal­situation, die zunehmend problematisch wird. Die wachsenden Aufgaben führen zwangsläufig zu erhöhtem Verwaltungsaufwand, der allein ehrenamtlich auf Dauer nicht zu leisten ist. Die Problematik wird dadurch verstärkt, dass die langjährige ehrenamtliche Buchhalterin der Stiftung, die hervorragende Arbeit bei der Buchhaltung und Aktenführung geleistet hat, aus Gesundheitsgründen ausscheiden musste. 2016 hat es bereits vereinzelt Vergütungen für Helfer gegeben, die Stiftung braucht aber unbedingt interessierte und engagierte Mitarbeiter, die kontinuierlich zu moderaten Kosten Teilaufgaben übernehmen. Die Stiftung bleibt bei ihrer Linie, aus Kostengründen auf eine Geschäftsstelle und hauptamtliche Geschäfts­führung zu verzichten. Geschäftsführungsaufgaben als Nebentätigkeit könnte die Stiftung bezahlen, jedoch war die Suche nach geeigneten Interessenten bisher vergeblich.

Die Stiftung Markstein unterstützt die Initiative zur Transparenz von Stiftungen. Sie legt alle relevanten Daten auf ihrer Webseite offen - die finanziellen Details zur besseren Übersicht in gestraffter Form.